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Seit 2004 bin ich als freier Musikjournalist tätig und habe für diverse digitale Musikmagazine Plattenkritiken und Konzertberichte verfasst und Interviews geführt. Hier gibt es eine Auswahl von Arbeiten, die ich für das Online-Musikmagazin FlamingYouth geschrieben habe. Klicken Sie auf ein Thumbnail um zur Rezension zu gelangen.
Black Rebel Motorcycle Club - Howl
Gallon Drunk - The Rotten Mile
Hutchinson - The Antidote
Led Zeppelin - Mothership
Neil Young - Prairie Wind
BLACK REBEL MOTORCYCLE CLUB - Howl
[Echo Label / Pias]
VÖ | 22-08-2005
Mit "Howl" liefern BRMC ihre bisher beste Platte ab, mit der sie vielleicht nicht den ganz großen Durchbruch erreichen werden, uns aber ein unvergängliches Album schenken.
Nach ihrem selbst benannten und hochgejubelten Debüt Album aus dem Jahre 2002 und dem etwas softeren Nachfolger, steht mit "Howl" nun die dritte CD der drei Men in Black im Regal. Und es ist ein sehr ruhiges und Folk-lastiges Werk geworden. Bereits zu Anfang überrascht das Trio mit einem A Cappella-Intro und auch sonst zeigt sich der geschulte BRMC-Hörer verwundert über den neu eingeschlagenen Weg der Amis.
Black Rebel Motorcycle Club konnten ihre Hörer bisher immer herausfordern, denn ihre Platten kann man nicht nebenbei hören. Kann man schon, aber dann bekommt man nicht diese Tiefe mit, die in den Songs steckt. "Howl" ist ein bedeutendes Album, es klingt eher nach Singer / Songwriter als nach Breitwand-Rock, mit viel Dylan-Einflüssen, akustischen Gitarren und einer Handvoll Blues. Sie singen mehrstimmig, huldigen den Liverpooler Pilzköpfen, spielen Mundharmonika und werfen sparsam mit Orgelteppichen um sich.
"Howl" klingt zeitlos und erwachsen, es ist liebevoll arrangiert und instrumentiert. Der Titel Song etwa klingt nach Drama und nach Hoffnung, der dritte `Devil`s Waitin` wiederum, genauso wie sein Titel verspricht. Nämlich nach einem Lonesome Cowboy kurz vor seinem aussichtlosen Duell, das Abschiedslied endet mit Gospel-Anleihen. Mit `Ain`t No Easy Way` haben sie ein hervorragendes Stück, das nicht zufällig zur ersten Single Auskopplung gewählt wurde. Das bisher eingängigste Lied überzeugt mit Slide-Gitarren und guter Hookline. Im Radio läuft es bereits auf Rotation und wird in den Lieblingssingle Charts des Jahres oben mitmischen.
Ich könnte jetzt jeden einzelnen Song beschreiben und hervorheben, denn auch das ist bei diesem fantastischen Album möglich. Hier haben wir es mit einem Album zu tun, das in der Liste der besten Alben 2005, ein nicht unerhebliche Rolle spielen wird. Eine ausgereifte, wohl durchdachte, aber nicht verkopfte Wurzelbehandlung der amerikanischen Musik, die von Country und Blues über Folk und wie gesagt sogar Gospel alles innehat. BRMC erfinden das Rad natürlich nicht neu, aber sie halten es am laufen. Und wie sagt man so schön: Es läuft rund. / M. Trabus - 26.08.2005
GALLON DRUNK - The Rotten Mile
[Fred Label / Rough Trade
VÖ | 25-01-2008
In den Neunzigern haben GALLON DRUNK mächtig für Wirbel im Untergrund gesorgt, selbst JOHN PEEL ließ sich herab und lobte den "einzigartigen Sound" des britischen Quartetts.
"The Rotten Mile" ist auf der Insel bereits im Oktober erschienen und hat mal wieder Begeisterungsstürme hervorgerufen. Ihr Sound ist in der Tat irgendwie anders, aber vor allem klingt er ehrlich. Und das ist es, was diesem Album diese mitreißende Power verleiht. `Grand Union Canal` etwa ist ein musikalischer Aufstand wie einst `London Calling`, nie war ein Saxophon mehr Rock. Der headbangende und treibende `All Hands Lost At Sea` lässt so manche Stoner-Kapelle mächtig im Staub stehen und besticht durch psychedelische Noise-Experimente a la FLOYD oder RADIOHEAD. Die Abschließende Easy-Listening Jazz-Nummer `The Shadow Of Your Smile` unterstreicht nur die Vielseitigkeit dieser Band, die zwischen Bombast und Garage ihre grandios rockt.
Wenn GALLON DRUNKs "The Rotten Mile" die Zukunft wäre, wäre die Welt eine bessere und die Jahrescharts 2008 haben ihre erste Nominierung. / M. Trabus - 09.01.2008
HUTCHINSON - The Antidote
[Tiefdruck-Musik / Universal]
VÖ | 26-10-2007
Die Hamburger Soul-Rocker von HUTCHINSON setzen die Meßlatte mit "The Antidote" ziemlich hoch an, die Konkurrenz muss sich da sehr lang machen.
Mastermind NICO KOZIK, der seinen guten Ruf seinen Auftritten bei den SISSIES und PAYOLA zu verdanken hat, hat sich eine tighte Combo zusammengestellt. Aber dass nicht er , sondern sie die Band sind - wird ausdrücklich betont. "The Antidote" ist das Album der QUEENS OF THE STONE AGE das viele lieber als "Era Vulgaris" gehabt hätten. Hier ist es nun und es ist von HUTCHINSON. Eine Scheibe die unaufhörlich rockt, mit spooky-background-gefiepe nicht spart und locker eine Hand voll Hits aus den Lautsprechern jagt. Abwechslungsreiche Songs, mal treibend, mal mit Staccato-Groove - Hauptsache Bein und Kopf halten nicht still. Auffallend, neben der wirklich coolen Stimme, auch der klare Gitarren-Sound.
Dieses Album ist unbedingt empfehlenswert und sicher ein Highlight auf dem Rock-Markt des langsam ausklingenden Jahres 2007. / M. Trabus - 19.11.2007
LED ZEPPELIN - Mothership [2 CD + DVD]
[Rhino / Warner]
VÖ | 09-11-2007
LED ZEPPELIN sind die beste Rockband aller Zeiten. Da passt der Titel der jüngsten "Best of" nur zu perfekt. "Mothership".
Für den LED ZEP-Fan macht diese Compilation reichlich wenig Sinn, denn alle 24 Songs der Doppel CD und selbst die 20 Tracks der Live-DVD hat der Musikliebhaber bereits ordentlich im Regal versammelt. Keine Überraschungen. Hier wird lediglich der Nachwuchs bedient, der mit dem legendären Quartett bisher nicht viel anfangen konnte. Auf "Mothership" sind sämtliche Klassiker der Rockgeschichte zu finden: `Dazed And Confused`, `Kashmir`, `Black Dog`, `Whole Lotta Love`, `D`yer Mak´er`, etc. pp.. Mit JOHN BONHAM hatten LED ZEPPELIN den krassesten Rockdrummer ever hinter der Schießbude und mit JIMMY PAGE den einzigen Gitarristen, der HENDRIX das Wasser reichen kann. Eine absolute Ausnahmeband, an die nie irgendjemand herankommen wird.
Wie kann man eine Greatest Hits-Scheibe ordentlich bewerten? Nun, die Songs sind allesamt grandios und Meilensteine der modernen Rockmusik. Sie dienen nicht selten als Blaupausen der neuen Helden wie etwa den WHITE STRIPES, WOLFMOTHER, TOOL und natürlich SOUNDGARDEN. Allen, die noch nichts von PLANT, PAGE, BONHAM und JONES auf Vinyl, Cassette, CD oder DVD haben, sei "Mothership" wärmstens ans Herz gelegt. Dass sie relativ pünktlich zur Weihnachtszeit auf den Markt kommt, ist zwar irgendwie platt, doch eine größere Freude kann man niemanden zwischen 5 und 99 Jahren machen. / M. Trabus - 09.11.2007
NEIL YOUNG - Prairie Wind
[Reprise Records / Warner]
VÖ | 30-09-2005
Pünktlich zum 60sten Geburtstag kommt sein neues Album auf den Markt. Knapp 40 Alben hat NEIL YOUNG in seiner Karriere abgeliefert, und was hat er nicht alles mitgemacht. Vom tiefsten Absturz in die Drogenhölle, familiäre Schicksalsschläge, wie man sie Niemanden wünscht, endlose Querelen mit seiner damaligen Plattenfirma GEFFEN - sein Comeback Anfang der Neunziger bis hin zur Ernennung zum Godfather des Grunge. Zufrieden, so hatte man den Eindruck, war er wohl nie. Dieses Album, "Prairie Wind" soll nun nach eigenen Angaben der dritte Teil seiner "Harvest-Trilogie" sein.
1972 veröffentlichte NEIL YOUNG mit "Harvest" sein kommerziell bisher erfolgreichstes Album, auf dem auch sein bis heute größter Hit `Heart Of Gold` enthalten ist, neben nicht minder schönen Perlen wie `The Needle And The Damage Done` oder `Old Man`. Diesen enormen Erfolg konnte oder wollte YOUNG lange Zeit nicht mehr erreichen. Erst 1989, im Jahr des Mauerfalls, als er sein Album "Freedom" und dem darauf enthaltenden `Rockin In The Free World` veröffentlichte, war er wieder in aller Munde. Vor allem die gerade aufkommende Grunge-Welle und die dazu gehörige Szene hatten in NEIL YOUNG plötzlich ihren Übervater entdeckt.
Der zweite Teil der "Harvest-Trilogie" erschien 1992 mit "Harvest Moon", auf dem NEIL YOUNG einmal mehr den Storyteller gab. Zwischendurch experimentierte er, wo er nur konnte. Mit seiner Band CRAZY HORSE rockte er sämtliche Hallen des Planeten, ertrank sich und sein Publikum in endlosen Feedback-Gewaber und teilweise über 30-minütigen Jam-Sessions. Auf den Selbstmord KURT COBAINs , der in seinem Abschiedsbrief NEIL YOUNGs `Hey Hey, My My` zitierte : "It`s better to burn out, than to fade away", reagierte YOUNG prompt mit dem 94er Album "Sleeps With Angels". Fortan war NEIL YOUNG ein Arbeitstier und veröffentlichte binnen Monate neue Alben.
1995 nahm er gemeinsam mit PEARL JAM in nur 4 Tagen das in meinen Augen völlig unterschätzte Album "Mirrorball" in Seattle auf und ging anschließend mit den Grungern auf Amerika- und Europa-Tournee. Und im Jahr 2000 erschien das von der Presse schon als letztes Kapitel jener Trilogie angepriesene "Silver And Gold", welches locker hätte das Trio komplettieren können, aber YOUNG anscheinend noch nicht passend genug erschien.
Nun, nach 33 Jahren ist die "Harvest-Trilogie" komplett. Sein Album "Prairie Wind" knüpft dann auch genau da an, wo er einige Alben zuvor ebenfalls anknüpfte. Aber erst jetzt, sagt der Meister, ist es vollbracht. Der erste Song `The Painter`, was auch die erste Single des Albums ist, ist so typisch und schön wie eben nur NEIL YOUNG klingen kann. Aufgenommen wurde das Album in Nashville, und Country ist ja von jeher ein erheblicher Bestandteil seiner Songs gewesen.
Er huldigt einmal mehr ELVIS mit `He Was The King`, einer fluffigen Rock Shuffle Nummer, singt Songs über seinen Vater (`Far From Home`, `Prairie Wind`) und widmet seinem Daddy gleich das komplette Album. Bei `It`s A Dream` stürzt sich YOUNG wieder in endlose Melancholie untermalt von Streichern, um bei dem Liebeslied `Here For You`, der ebenso von "Harvest Moon" stammen könnte, alles vergessen zu machen. Auch die harmonische Gitarrenfigur bei `This Old Guitar`, einer liebevollen, fast schon senilen Hommage an seine alte akustische Klampfe, erinnert sicher nicht zufällig an `Harvest Moon`. "It cries when i leave it alone, silently it waits for me".
NEIL YOUNG beweist mit "Prairie Wind", dass er nach wie vor einer der größten Geschichtenerzähler überhaupt ist. / M. Trabus - 08.12.2005